Night Rambler Review

Night Rambler

Zugegeben, ungelagerter Rum steht für die meisten Rum-Enthusiasten nicht an oberster Stelle. Sieht man einmal von der Kategorie Rhum Agricole ab, gibt der Markt von Rum unbekannter Herkunft am unteren Preisspektrum bis hin zu hervorragenden, aber schlicht zu teuren Abfüllungen alles her. (Man denke zum Beispiel an Habitation Velier Savanna HERR oder den Mhoba Select white.) Im Drink können sie überzeugen und zeigen, dass sie in ihrer Qualität überragen. Aber, dafür dass einer der risikoreichsten Faktoren, die Fasslagerung, wegfällt, kann man nur schwerlich rechtfertigen, einen weißen Rum für 50 Euro mal eben in die Backbar zu stellen.

2018 präsentierte Velier eine in der breiten Öffentlichkeit gefeierte Abfüllung: den Veritas. Ein Blend hauptsächlich aus Foursquares Coffey Still, mit einem kleinen Anteil aus Hampdens Double Retort Still, der zwei Jahre in Ex-Bourbon-Fässern reifen durfte.

Für viele ist der Veritas der beste derzeit verfügbare “weiße” (Auch wenn er eigentlich nicht ungelagert ist.) Rum; mit einem Preis knapp unter 30 Euro, leicht oberhalb der Mitte des Spektrums, reizt er das Mögliche nicht vollends aus. 

Letztes Jahr folgte dann auf die bereits 2017 geschlossene strategische Partnerschaft von LMDW und Velier unter der gemeinsamen Marke La Maison & Velier die Erweiterung des Portfolios der Transcontinental Rum Line: Unter der Marke Transcaribbean Rum Line wird der heutige Rum angeboten.

Night Rambler

Der Night Rambler ist ein ungelagerter Blend aus Haiti und Jamaika. Obwohl es nicht deklariert wird, kann man davon ausgehen, dass hier Clairin und Hampden Rum verwendet wurden, da durch Velier der Zugang zu diesen Destillaten besteht und die Verkostung diese Vermutung bestätigt:

Nase: Zunächst schlägt hier eine starke Note von Gras und Gemüseacker entgegen, dazu etwas Olivenlake. Dazu kommen leicht vergorene Äpfel. Nach einer Zeit öffnet sich der Gaumen in Richtung Ananas und den für Hampden typischen Klebstoff. Die Nase bleibt komplex und bewegt sich immer wieder in den genannten Aromen. Der Clairin ist hier der tonangebende Anteil. Ich fühle mich sehr an Clairin Casimir und ab und an an Vaval erinnert. Gerade der frische Gemüseacker ist im Casimir schon sehr präsent. 

Gaumen: Hier präsentiert sich der Jamaikaner etwas intensiver; überreife Ananas und faulige Erdbeeren werden von einem großen Aromenpaket aus Kleber und Olivenlake eingebunden. Dabei machmal mit einem Hauch Würzigkeit. Im Abgang macht sich dann noch eine leichte Speckigkeit bemerkbar, welche die typischen Aromen begleitet, die wir von Hampden und den Velier Clairins kennen: Olivenlake, Gewürze, Kleber und Ester. Der Abgang ist sehr gelungen und unendlich lang. Dieser Rum hat unglaublich viel Körper und fühlt sich sehr viel voller an, als ich bei 42% vermutet hätte.

Im Direktvergleich zum Veritas möchte ich diesem keinesfalls Unrecht tun und sagen er sei schlecht: Das ist er nicht. Der Veritas ist ein handwerklich sauber gemachter Rum, der, dank seiner 47% vol., einen gescheiten Daiquiri mixt und ohne große Fehlnoten Rum-Aroma in den Drink bekommt. Dennoch wirkt er im direkten Vergleich durch den hohen Kolonnen-Anteil schon fast eindimensional und mit weniger Körper.

Der Daiquiri mit dem Night Rambler ist komplexer und, wenn man Ester mag, deutlich gehaltvoller. Dabei fühlt er sich mindestens ebenbürtig an, was den Alkoholgehalt und den Körper angeht. Der Night-Rambler-Daiquiri ist mittlerweile einer meiner Favoriten und ich leere regelmäßig meine Flasche in der Bar.

Kurzum, ich liebe diesen Rum, beim letzten Angebot von LMDW habe ich mehr Flaschen gekauft als ich zugeben mag und kann ihn für den normalen Ladenpreis von rund 20 Euro ausdrücklich empfehlen.

(85/100)

Quellen:

http://www.velier.it/news/view/veritas-il-miglior-rum-bianco-al-mondo

2 Replies to “Night Rambler Review”

  1. Danke für das Review! Aber muss denn dieser Seitenhieb auf den Veritas sein?
    Mit freundlichen Grüßen
    Richard

    1. Hallo und danke für den Kommentar :). Ich hatte die Hoffnung dass es deutlich genug geschrieben war, das ist absolut nicht als Seitenhieb zu verstehen. Der Veritas ist ein wirklich gutes Produkt und ich mag ihn. Ich mag allerdings einfach lieber ‘Heavy Type’ Rum und dahingehend ist der Nightrambler für mich einfach besser. Es wird allerdings genug Leute geben die es genau anders herum sehen. Und die sollten dann eben ganz dringend zum Veritas greifen. Und nochmal: Der Veritas alleine wirkt für mich nicht so krass eindimensional, sondern ist ein enormes Upgrade zu den meisten anderen ‘weißen’ Rumsorten.

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