Hampden Single Cask Serie

Seit Velier den Vertrieb von Hampden Estates Originalabfüllungen übernommen hat, wurde das bisherige Portfolio, das die Hussey-Familie seit der Übernahme von Hampden im Jahre 2009 herausgebracht hat, grundlegend verändert. (Es bestand ohnehin nur aus drei Abfüllungen, von denen eine bereits eingestellt wurde und eine weitere vermutlich demnächst vom Markt verschwinden wird.)

Hampden Estate unterscheidet sich jetzt von unabhängigen Abfüllungen, die notwendigerweise über Broker erworben wurden, durch die tropische Reifung in der Brennerei. Mit der Einführung von Hampden Estate und der Great-House-Serie wurde der positive Einfluss von Luca Gargano auf die Abfüllungen spürbar: Hampden Estate Rum werden von mehr oder weniger austauschbaren Standardprodukten zu jenem einzigartigen Erlebnis, welches uns die UAs schon so lange präsentieren. Dieser Ansatz ist dankbarerweise derzeit bei vielen Herstellern zu sehen.

Single Cask Serie

Hampden präsentiert hier also zum ersten mal Originalabfüllungen als Einzelfassabfüllungen, die komplett tropisch, sprich vor Ort, reifen durften. Abgefüllt wurden diese in Faßstärke, fast ausschließlich für verschiedene Spirituosen-Festivals rund um den Erdball. Das rief von Anfang an Sammler auf den Plan, die scheinbar jeden Preis in Kauf nahmen, um zum Beispiel die raren Abfüllungen aus Singapur zur Komplettierung bekommen zu können.

Dankbarerweise habe ich an einer Flaschenteilung aller sechs Flaschen teilnehmen können, die durch einen französischen Rum-Nerd geteilt wurden. Diese Samples habe ich mit Marius von SingleCaskRum geteilt. Wir haben die Samples zusammen und mit aufsteigendem Estergehalt probiert. Wir haben uns jedoch nicht über unsere Notizen und Bewertungen ausgetauscht. Marius’ Review findet ihr hier: Single Cask Rum Review

Zu den Abfüllungen:

OWH 2012

Whisky Live Paris 2019
7 Jahre, 62,8%

Nase: Mild und sanft, wie man es von Hampdens niedrigstem Ester Mark erwarten würde. Zitrusfrüchte und Gewürze kommen zunächst hervor, dazu etwas Mango und Ananas. Im Hintergrund ist dabei immer etwas Kleber. Nach einer Weile kommt eine deutliche Süße dazu, die mich an einen exotischen Obstsalat erinnert. Der Kleber ist jetzt etwas präsenter und das diffuse Holzaroma riecht nun deutlich nach Eiche.

Gaumen: Prickelnder Alkohol, überreife Mango und Zitronensäure. Der Rum hat wenig Körper und wirkt insgesamt eher dünn. Im Abgang macht sich dann eine schon fast abstrus starke Note von sehr trockenem Sherry breit. Es endet mit einem mittellangen und leicht würzigen Abgang aus Eichenholz und ein wenig alkoholischer Schärfe.

OWH wird sicherlich nie mein liebstes Mark sein. Dennoch hat Hampden gezeigt, dass OWH wie im Great House und den Hampden-Estate-Abfüllungen wirklich gut sein kann, wenn es mit Hoch-Ester-Marks vermählt wird.

72/100

OWH 2011

Berlin Bar Convent 2019
8 Jahre, 59,5%

Nase: Die Nase ist sofort deutlich schärfer als der 2012-er, obwohl er weniger Alkohol hat. Daneben dominiert vor allem Liebstöckel das trocken-würzige und metallische Bouquet. Nach und nach kommt wieder etwas Süße hervor. Nach einer Weile ist der Liebstöckel noch dominanter und ich rieche Anis und das Metall.

Gaumen: Sofort habe ich eine trockene und adstringente Bitterkeit im Mund, die mich an Grappa oder Obstler erinnert. Der Alkohol ist sehr viel besser eingebunden, als die Nase es vermuten ließ. Der Rum hat etwas mehr Körper. Der Abgang kommt mit viel Holz und Gewürzen daher. Er ist warm, aber nicht besonders alkoholisch. Nach hinten raus ist die Bitterkeit wieder da und erinnert nun eindeutig an Grappa. Erst jetzt bemerke ich jedoch, dass ich so gut wie keinen Kleber schmecke. Seltsam.

76/100

LFCH 2011

Whisky Live Singapore 2019
8 Jahre, 61,7%

Nase: Der Kleber ist zurück! Und hat etwas Nagellack gefunden! Die Nase ist deutlich schwerer als die beiden OWH. Pfeifentabak, Minze und Cherry Cola aus der Dose. Nach einer Weile vermengen diese Eindrücke zu einem Kirsch-Minz-Kuchen und drängen den Tabak mehr in den Hintergrund.

Gaumen: Hier kommen zunächst die typischen Aromen von Eichenfässern: Vanille und leichte Holztöne. Die Süße ist etwas ausgeprägter als zuvor.  Beim zweiten Schluck kommt der Tabak wieder und bringt frisch geschnittene Birnen mit. Sie verschwinden in einem mittellangen und warmen Abgang aus Holz und Tabak.

78/100

LROK 2010

Salon du RHUM Spa 2019
9 Jahre, 63,2%

Nase: Beinahe herzhafte Noten von Gewürzen, Holz und Kleber, dazu Erdbeeren und faule Bananen. Ein deutlich intensiverer Geruch. Lässt man ihn etwas atmen, kommt mehr Säure und Frucht, dazu noch eine leichte Essignote.

Gaumen: Überreife Erdbeeren und Pfirsiche, die fast schon florale Noten haben. Dazu kommt leicht trockenes Eichenholz. Die Säure kombiniert sich mit den Früchten zu einem Shrub und bringt etwas Jod mit.

Die Ester kommen am Ende noch einmal stark nach vorne. Ein wirklich angenehmer Abgang mit adstringierendem Holz, angenehmem Prickeln und dem oben genannten Shrub, der jetzt mehr nach Himbeeressig schmeckt. Das Jod und etwas Persipan kommen dazu. Hier ist für mich ein deutlicher Abstand zur ersten Hälfte bemerkbar!

84/100

Das waren die Festivalabfüllungen. Die folgenden wurden durch LMDW und Spirit Academy verkauft.

<> H 2010

selected by LMDW
9 Jahre, 69,2%

Nase: Ein richtiger Obstkorb! Überreife Banane und Ananas mit dem Hampden-typischen Kleber. Nach einer Weile kommen Gewürze und Holz durch. Aber verdammt, hier ist alles Frucht und Ester. (Auf eine sehr gute Weise, auch wenn der Rum sonst nicht viel Anderes mitbringt.)

Gaumen: Süßliches Eichenholz und Röstaromen verbinden sich mit Ananas und Banane. Der Alkohol ist spürbar, aber nicht unangenehm. Die Frucht-Ester haben eine tolle, an Pistazien erinnernde Note. Der Abgang ist adstringent und trocken. Das Holz ist sanft und begleitet einen langen Schluss von Eiche, Pistazie und den tropischen Früchten, die hier und da zurückkommen. Das hier ist ein großartiges Beispiel dafür, was bei Hampden gehen kann!

94/100

HLCF/DOK 2010

The One and Only
9 Jahre, 61%

Nase: Unglaublich viel Aroma. Vor allem Kleber, Nagellack und Frucht. Genauer diese kleinen, uneingepackten (und künstlich schmeckenden) Kirschlutscher die es in meiner Kindheit überall gab. Ausserdem ist deutlich mehr Säure erkennbar. Wenn er etwas geatmet hat, kommen mehr Holz und ein paar Erdbeeren dazu. Im Hintergrund ein wenig Tabak.

Gaumen: Zuerst Klebstoff und diese Kirschlutscher. Dazu kommen überreife Banane und etwas Butterkeks. Es ist intensiv, aber kurzlebig. Der Abgang ist sehr kurz und unglaublich sanft, mit Banane und etwas Holz. Trotz der 61% spüre ich absolut keine alkoholische Schärfe. Dieser Rum ist auf die Fresse und wieder weg. Er ist gut, aber da ich ein großer Fan des HLCF Mark bin, befürchte ich, dass der DOK-Anteil den HLCF in diesem Fall nicht verbessert hat!

88/100

Quellen:

http://www.jamaicaobserver.com/sunday-finance/hampden-estate-prepares-for-greater-rum-demand_153575
https://www.lamaisonandvelier.com/the-hampden-estate-distillery-appoints-the-house-velier-as-worldwide-distributor/

Night Rambler Review

Night Rambler

Zugegeben, ungelagerter Rum steht für die meisten Rum-Enthusiasten nicht an oberster Stelle. Sieht man einmal von der Kategorie Rhum Agricole ab, gibt der Markt von Rum unbekannter Herkunft am unteren Preisspektrum bis hin zu hervorragenden, aber schlicht zu teuren Abfüllungen alles her. (Man denke zum Beispiel an Habitation Velier Savanna HERR oder den Mhoba Select white.) Im Drink können sie überzeugen und zeigen, dass sie in ihrer Qualität überragen. Aber, dafür dass einer der risikoreichsten Faktoren, die Fasslagerung, wegfällt, kann man nur schwerlich rechtfertigen, einen weißen Rum für 50 Euro mal eben in die Backbar zu stellen.

2018 präsentierte Velier eine in der breiten Öffentlichkeit gefeierte Abfüllung: den Veritas. Ein Blend hauptsächlich aus Foursquares Coffey Still, mit einem kleinen Anteil aus Hampdens Double Retort Still, der zwei Jahre in Ex-Bourbon-Fässern reifen durfte.

Für viele ist der Veritas der beste derzeit verfügbare “weiße” (Auch wenn er eigentlich nicht ungelagert ist.) Rum; mit einem Preis knapp unter 30 Euro, leicht oberhalb der Mitte des Spektrums, reizt er das Mögliche nicht vollends aus. 

Letztes Jahr folgte dann auf die bereits 2017 geschlossene strategische Partnerschaft von LMDW und Velier unter der gemeinsamen Marke La Maison & Velier die Erweiterung des Portfolios der Transcontinental Rum Line: Unter der Marke Transcaribbean Rum Line wird der heutige Rum angeboten.

Night Rambler

Der Night Rambler ist ein ungelagerter Blend aus Haiti und Jamaika. Obwohl es nicht deklariert wird, kann man davon ausgehen, dass hier Clairin und Hampden Rum verwendet wurden, da durch Velier der Zugang zu diesen Destillaten besteht und die Verkostung diese Vermutung bestätigt:

Nase: Zunächst schlägt hier eine starke Note von Gras und Gemüseacker entgegen, dazu etwas Olivenlake. Dazu kommen leicht vergorene Äpfel. Nach einer Zeit öffnet sich der Gaumen in Richtung Ananas und den für Hampden typischen Klebstoff. Die Nase bleibt komplex und bewegt sich immer wieder in den genannten Aromen. Der Clairin ist hier der tonangebende Anteil. Ich fühle mich sehr an Clairin Casimir und ab und an an Vaval erinnert. Gerade der frische Gemüseacker ist im Casimir schon sehr präsent. 

Gaumen: Hier präsentiert sich der Jamaikaner etwas intensiver; überreife Ananas und faulige Erdbeeren werden von einem großen Aromenpaket aus Kleber und Olivenlake eingebunden. Dabei machmal mit einem Hauch Würzigkeit. Im Abgang macht sich dann noch eine leichte Speckigkeit bemerkbar, welche die typischen Aromen begleitet, die wir von Hampden und den Velier Clairins kennen: Olivenlake, Gewürze, Kleber und Ester. Der Abgang ist sehr gelungen und unendlich lang. Dieser Rum hat unglaublich viel Körper und fühlt sich sehr viel voller an, als ich bei 42% vermutet hätte.

Im Direktvergleich zum Veritas möchte ich diesem keinesfalls Unrecht tun und sagen er sei schlecht: Das ist er nicht. Der Veritas ist ein handwerklich sauber gemachter Rum, der, dank seiner 47% vol., einen gescheiten Daiquiri mixt und ohne große Fehlnoten Rum-Aroma in den Drink bekommt. Dennoch wirkt er im direkten Vergleich durch den hohen Kolonnen-Anteil schon fast eindimensional und mit weniger Körper.

Der Daiquiri mit dem Night Rambler ist komplexer und, wenn man Ester mag, deutlich gehaltvoller. Dabei fühlt er sich mindestens ebenbürtig an, was den Alkoholgehalt und den Körper angeht. Der Night-Rambler-Daiquiri ist mittlerweile einer meiner Favoriten und ich leere regelmäßig meine Flasche in der Bar.

Kurzum, ich liebe diesen Rum, beim letzten Angebot von LMDW habe ich mehr Flaschen gekauft als ich zugeben mag und kann ihn für den normalen Ladenpreis von rund 20 Euro ausdrücklich empfehlen.

(85/100)

Quellen:

http://www.velier.it/news/view/veritas-il-miglior-rum-bianco-al-mondo