El Dorado 12 & 15 Jahre – 2009 vs. 2021

Zunächst einmal freue ich mich, dass meine kleine Zwangspause endlich vorbei ist. Im weiteren Sinne arbeite ich in der öffentlichen Gesundheitsversorgung; dementsprechend war das letzte Jahr ein sehr anspruchsvolles, bei dem schlicht andere Dinge ihre Priorität hatten,

Ich melde mich zurück mit einer Entdeckung die Ivar von rum revelations gemacht hat.

Es scheint, als hätte es im Hinblick auf Zusätze eine massive Veränderung in der Standard-Range von El Dorado gegeben. Ivar hat zwei unterschiedlich alte Flaschen des 15-jährigen verglichen und zwei völlig unterschiedliche Produkte vor sich gehabt. Da ich ohnehin ein Paar des El Dorado 12 und 15 zu Hause hatte, die 2009 gekauft wurden, habe ich ihre aktuellen Geschwister bestellt und sie verglichen.

Es gibt leider keinen Hinweis auf diese Veränderung: Zwar haben die Flaschen ein neues Design, jedoch gibt es auch hier Unterschiede (danke an Helmut von schlimmerdurst.net für den Austausch). Es scheint so, sollte es sich hier nicht um einen Ausrutscher handeln, als wenn DDL 2019 den Zuckergehalt bereits mit dem neuen Design reduziert haben, und dann noch einmal drastischer in 2020. Das wird deutlicher, wenn man die Messwerte des Hydrometers vergleicht:

Alkoholmeter MessungGekauft 2009Bottlecode 2019Bottlecode 2020
El Dorado 1235 g/Ln/a6 g/L
El Dorado 1548 g/L21 g/L (Gemessen von Helmut)0 g/L

Das ist ein deutlicher Unterschied; also habe ich die vier Abfüllungen, die hier habe, semi-blind verkostet.

Tasting:

El Dorado 15

Abgefüllt 2020, gebrannt um 2005
43%

Nase: Sofort kommt ein intensiver Geruch von Eiche und Karamell, der sich nur minimal alkoholisch präsentiert. Nach einer Weile gesellen sich einige Gewürze und Vanille hinzu. Er riecht zwar süß, aber die Süße dominiert in der Nase nie. Die Gewürze werden zunehmend komplexer, Muskat und Piment und getrocknete Kräuter. Ziemlich gut!

Gaumen: Zunächst kommt eine kleine alkoholische Schärfe zum Vorschein, die aber schnell verschwindet. Da ist eine leichte Süße von Rosinen, dem gegenüber steht eine adstringierende, trockene Note, die sich zu komplexen Eichenaromen öffnet. Da ist noch etwas Frisches im Hintergrund, dieses verflüchtigt sich aber in einen langen und warmen Abgang von Karamell und einem Strauß von Eichenaromen und Bitterkeit.

Ich bin ziemlich sicher, dass das der neue 15-jährige ist. Ich mag diesen Rum, dies ist die Standard-Abfüllung aus Guyana, die wir verdient haben!

81/100

El Dorado 15

Gekauft 2009, gebrannt um 1994
43%

Nase: Schweres, süßes Karamell ohne Ende. Ob jetzt der Zucker oder der Alkohol in der Nase sticht, lässt sich gar nicht so genau sagen. Ansonsten passiert erstmal nicht viel. Nach einer Weile kommt etwas Eiche und Liebstöckel dazu, aber es riecht einfach nach gesüßtem Alkohol…

Gaumen: Da ist die Nase, widerlich süß, zäh, und ein bisschen Eiche. Mit dieser Kombi zieht sich der Abgang zwischen zu süß und bitter, ohne dabei mehr Aromen freizusetzen.

Es gibt leider nicht viel zu sagen. Der Rum ist zu süß und unrund. Im Vergleich mit dem ersten Glas fällt es schwer, eine Verwandtschaft zu schmecken. Ich denke, das ist der alte 12-jährige, und er ist nicht gut.

56/100

El Dorado 12

Gekauft 2009, gebrannt um 1997
40%

Nase: Holz und ein paar Gewürze treffen auf ordentlich Toffee, dabei ist die Nase aber nicht unangenehm. Mit der Zeit kommen mehr Holz und Gewürze und die Süße erinnert mich nun eher an Vanillepudding.

Gaumen: Wieder Zucker auf die Fresse. Süße und Vanille mit ein bisschen Holz im Hintergrund, aber vor allem Süß. Der Abgang ist etwas weniger bitter als das Glas davor und nicht so übertrieben süß. Im Abgang ist keine Schärfe zu spüren, das mag aber am Zucker liegen.

Dieses Glas gefällt mir etwas besser als das vorherige, aber es lässt noch ordentlich Luft nach oben. Ich schätze, dass ich hier den alten 15-jährigen habe.

60/100

El Dorado 12

Abgefüllt 2020, gebrannt um 2007
40%

Nase: Zuerst geschieht da im Glas nicht zu viel. Etwas Eiche, ein paar Gewürze und deutlich mehr Alkohol als im Mittelteil. Nach einer Weile im Glas ändert sich der Rum aber deutlich: eine leichte Süße von Pflaumen und Rosinen in einem Eichenfass. Die Nase wird immer komplexer, und auch hier wieder Muskat und Piment. Die Süße ist angenehm, und alles hält sich ziemlich in Waage.

Gaumen: Ein erster Schwall der Gewürze aus der Nase sowie Toffee mit ein wenig alkoholischer Schärfe. Leider nicht so komplex, wie die Nase zuletzt war, aber sehr angenehm. Der Abgang ist adstringierend und holzig, aber weniger bitter. Zurück bleibt Vanillepudding, der mit der Wärme lange im Gaumen bleibt. Etwas eintönig, was aber an der leichten Süßung liegen könnte.

Das macht aber, dass diese Abfüllung für mich alle Erwartungen an einen Einsteiger-Rum erfüllt, im positiven Sinne. Ich nehme an, dass es der neue 12-jährige ist: Die Verwandtschaft zum ersten Glas ist jedenfalls deutlich.

77/100

Fazit:

Ich bin etwas geschockt, wie groß der Unterschied der Generationen ist. Im Direktvergleich wirken die alten Abfüllungen unerträglich süß. DDL verneint offiziell, Zucker zu seinen Abfüllungen hinzuzufügen. Dass jetzt aber offensichtlich ist, dass sie in nicht so kleinen Schritten weg vom Zucker gehen, lässt mich tatsächlich mit gemischten Gefühlen zurück.
Ich finde es mutig und ein nötiger Schritt in die richtige Richtung. Beide neuen Abfüllungen haben ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis und sind deutlich besser als ihre Vorgänger. Dem 12-jährigen verzeihe ich seine leichte Zuckerung, denn für viele wird er ein perfekter Einstieg in die Rumwelt sein. Der 15-jährige hat sich für mich schon jetzt als Must-Have etabliert, wenn es um einen verfügbaren und bezahlbaren Guyana-Rum geht. Ich würde mir zwar etwas mehr Prozente wünschen, aber selbst so gibt es gerade keine Konkurrenz für diese Abfüllung.

Aber dass sie diesen Wechsel nicht mit dem neuen Design vollzogen haben, scheint mir ein schwerer Fehler. Selbst wenn man eine neue Flasche hat, hilft es nur, das Produktionsjahr am Flaschenhals zu prüfen, um sicherzugehen, dass es sich um die aktuelle Version handelt. DDL hätten ihr Gesicht wahren und das neue Design als neuen Blend präsentieren können. So, wie es jetzt gelaufen ist, wird es etwas dauern, bis die alten Flaschen verkauft wurden. Aber wenn so die Zukunft der Standard-Range aussieht und man berücksichtigt, dass auch andere Originalabfüllungen von El Dorado in letzter Zeit Spaß gemacht haben, dann freue ich mich wirklich auf die Zukunft für Rum aus Guyana.

Quellen:

1.) https://www.rumrevelations.com/post/el-dorado-15-rum-review-old-vs-new-where-s-the-sugar

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